
Herr Thompson
saw 'Der Unfisch' at the 1998 Portland International
Film Festival.
Production
Information | English reviews | German
reviews | Images | Links
Production company: Terra Filmproduktion
Producer: Norbert Blecha
Director: Robert Dornhelm
Screenwriter: Michael Köhlmeier
Cinematographer: Michi Riebl
Editor: Klaus Hundsbichler
Music: Harald Kloser
Cast: Maria Schrader (Sophie Moor), Eva Herzig (Maria), Andreas
Lust (Carl), Georges Kern, August Schmölzer, Karl Merkatz,
Bibiana Zeller, Rudolf Wessely, Erwin Leder, Heinrich Schweiger,
Michou Friesz, Manuel Löffler, Beatrice Frey, Rainer Egger.
Austria, 1997, 35 mm, 98 min, color
German with English subtitles
Born in Timioara, Romania, in 1947, Robert Dornhelm emigrated to Vienna in 1960 where he attended the film academy in 1965-67. Over the next decade he made more than a hundred documentaries for the Austrian TV network ORF. He has directed films in Austria, Germany and the United States, including: Kinder der Theaterstraße (1976), She Dances Alone (1979), Rearranged (1981), Digital Dreams (1983), Echo Park (1985), Cold Feet (1988), Requiem für Dominic (1990 - Austrian nomination for a best foreign film Oscar), Marina's Story (1992) and A Further Gesture (1995).
With its roots firmly planted in European folklore, Der Unfisch has more than its share of familiar characters and delightful comedic moments. When a carny showman's heart attack strands a life-sized carnival whale in the town square of a tiny mountain village, the mayor asks the deceased artist's only living relative to come collect her inheritance. Months later, on the wedding day of the two locals who saw the accident, the driver's niece Sophie arrives and is given the keys to the beast. Inside she finds a narrow home decorated like an underwater trailer park special. Meanwhile, the bride has decides against the wedding leaving Carl, her groom, alone outside the church. The dejected Carl decides not to move from the spot. Later that night, Sophie and Carl discover that the whale has a remarkable secret that can't be kept from the villagers for long. The secret plunges the village into chaos, snowballing into a series of events that threaten the whole village while saluting the old adage, "Be careful what you wish for; you just might get it!" Although Der Unfisch doesn't quite live up to its Aesopian potential, Dornhelm has created an enchanting modern fable in an old-world tradition.
Der Unfisch was the 1997 Austrian submission for Best Foreign Film Oscar.
Ein Wal ist kein Fisch. Und dieser ganz und gar nicht. Dieser Wal ist ein Wundertier, das Wünsche erfüllt. Schade nur, daß die Dorfbewohner das Wünschen nie gelernt haben.
Wer im Zeitalter der Schädelspalterfilme ein Alpen-Märchen auf die Leinwand stemmt, ist verrückt. Üble Beschimpfungen kassenorientierter Produzenten und gähnend leere Kinosäle scheinen vorprogrammiert. Doch es gibt immer noch Zeichen und Wunder - im Kinosaal wie auch im Film.
Robert Dornhelm ist einer von diesen liebevollen Spinnern. Unbeirrbar kreieren er und sein Autor Michael Köhlmeier zusammen mit der musikalischen Untermalung von "Die Knödel" ein Dorfuniversum, das man längst ausgestorben glaubt. So sind die ersten Eindrücke des Films auch äußerst zwiespältig - Heimatfilm-Ästhetik gepaart mit einem allwissenden Erzähler und Dialogfetzen, die ziemlich aufgezwungen scheinen. Dazu kommt, daß die Hauptdarstellerin Maria Schrader eine lieblose Sprachmelodie an den Tag legt, die erste Zweifel am gelungenen Kinospaß aufkommen läßt . Doch dann bekommt die Geschichte neue Impulse: das Befremdliche tritt in den Hintergrund und das erste Schmunzeln erscheint an der Oberfläche. Die Magie wirkt. Spätestens als das Dorf vor Sophie's Wal Schlange steht und sich das vermeintliche Glück als Fluch erweist, hat der Film gewonnen. Die verschrobenen Charaktere machen einfach Spaß und der Erzähler berfrachtet nicht, sondern ergänzt. Auch sind die Dialoge ausgefeilter und die Bilder märchenhafter. Wer je den brennenden Wal durch den Wald rauschen sieht, wird dieses Bild nicht so schnell wieder vergessen.
- Till Martinsen
Als das Wünschen noch geholfen hat
Es war einmal... Michael Kohlmeier erzählt aus dem Off die unglaubliche Geschichte von Sophie Moor, einem präparierten Wal und den Bewohnern eines Dorfes in den Bergen. Regisseur Robert Dornhelm und Drehbuchautor Kohlmeier ersannen ein modernes Märchen, getarnt als erotischen Heimatfilm, dem Österreichischen Kino zur Ehre gereichend. Heimatfilm Produziert wurde der Film im Herbst des Vorjahres unter der Regie von Robert Dornhelm. Drehorte waren großtenteils die Gegend rund um den Schneeberg, Wiener Neustadt und die Studios der "Terra Film" in der Bezirksstadt. Die Hauptrolle spielen die Berlinerin Maria Schrader und Eva Herzig vom Wiener Burgtheater. Für Österreichische Verhältnisse ist der Film eine Großproduktion, die auch vom Land finanziell unterstützt wurde. Es gibt ein wunderschönes Märchen von dem oberrheinischen Kalendermann Johann-Peter Hebel, und es ist das Märchen von den drei Wünschen. Da bekommt ein Ehepaar, Mann und Frau, durch ein Wunder die Chance, sich drei Sachen wünschen zu dürfen. Und in der ersten Eile wünscht sich die Frau eine gute Bratwurst. Der Mann ist mir Recht über diesen voreilig-dummen Wunsch wütend und ebenso heftig wünscht er, in jähem Zorn, der Frau die Wurst an die Nase. Da steht sie nun, verunstaltet durch den baumelnden Nasenzipfel. Was also bleibt den Beiden übrig, als mit dem dritten Wunsch die Wurst von der Nase zu wünschen. Jetzt stehen sie, nach den drei Wünschen, da wie zuvor: Wünschen hilft nichts.
Robert Dornhelm hat sich in seinem Film "Der Unfisch" ein ähnlich wunschloses Unglück als Film-Märchen ausgedacht. Da erbt jemand einen hohlen Jahrmarktswal(fisch), und drinnen lebt eine wunderschöne Frau die mit allen Männern schläft, die das wohnzimmerhaft komfortable Innere des Wals betreten. Kaum sind Männer im Wal, schläft sie auch schon mit ihnen. Und erfüllt ihnen auch noch ihre Wünsche. Worauf alle wunschlos glücklich und unendlich unglücklich sind.
Wer den Wal hat, hat die Qual: Dornhelms österreichischer Film ist ein seltsames Konglomerat aus parodiertem Heimatfilm, Feen- und Zauberposse in Raimunds und Nestroys Tradition und Dürrenmattscher Luxusleben-Kritik ("Der Besuch der alten Dame"). In einem Alpendorf, das so skurril und künstlich aussieht wie der Pappmaché-Wal, rammeln sich die Bergbewohner vom Bürgermeister bis zum Greis an der schönen Walverwandten ins materielle Glück: Der eine erschläft sich ein Motorrad, der andere eine goldene Metzgereifassade.
Das Ganze ist seltsam bevölkert von Schauspielern, die teilweise chargieren, daß sich die Alpen biegen und enthält milde Wohlstandskritik bis zum Tellerrand. Beim Wünscheerfüllen trägt die geduldig-geile Dame im Wal die in diesem Beruf obligaten Strapse, trotzdem geht es bei der Dauer-Kopulation lustlos sportiv und ächzend streng zu. Der vergessene Heimatfilm aus den schönen Bergen wäre, trotz des dauernd ironischen-poetischen Over Voice-Kommentars ein Schuß in den Ofen, wäre da nicht die spröd-laszive Unschuld der Maria Schrader, die mit ihrem glutvollen Blick und ihrem schönen Lächeln wie fürs Kino geboren ist. Das Publikum applaudierte dieser Mischung aus Alpenkino und Dario Fo mit erleichtertem Klatschen: Eine Zuschauerin sah in der leicht überfrachteten Märchenfabel sogar so etwas wie Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit glossiert. Der Regisseur, der beim Drehen davon nichts gemerkt hatte, nahm es dennoch dankbar zur Kenntnis. Auch das Kino kann Wünsche erfüllen von denen es beim Drehen gar keine Ahnung hat.
Zwischen gewitzter Satire, edler Einfalt
Wer sich im höchsten Moment der Lust noch so unter Kontrolle hat, daß er dabei etwas wünschen kann, hat Strafe verdient. So könnte die Moral dieses Erwachsenenmärchens lauten und wäre nicht die dümmste. Sie hat aber nicht nur eine Moral, diese etwas wunderliche Fabel über menschliche Unersättlichkeit - sie strotzt davon. Das macht sie weniger leichtfüßig, als sie daherkommen möchte.
Ihr deftiger Humor stampft gern auf. Ihre Figuren sind so plump gepinselt wie auf bäuerlichen Hinterglasbildern. Alles trägt die holzschnittigen Züge älpischen Schwanks; tatsächlich schwankt der wie beschwipst zwischen gewitzter Satire und edler Einfalt. Immerhin erinnern die besten Momente an die genialen Sticheleien des Ludwig Thoma, der einst seinen bayrischen Landsleuten in bissigen Karikaturen die Lederhosen strammzog. Daß Spießbürger und Schildbürger aus demselben lausigen Holz geschnitzt sind, ist z. B. auch eine Moral dieser filmischen Jahrmarktsattraktion.
Eine heilige Sünderin namens Sophie, eine wundertätige Hexe mit rotem Haar und provozierenden Strapsen, bricht über ein Dorf herein und entlarvt Gier, Geilheit, Dummheit und Doppelmoral seiner Bewohner. Sie hat den kolossalen Wal geerbt, mit dem ihr Onkel und Schausteller über die Dörfer fuhr. Jetzt residiert sie im Bauch des zum Wohnmobil gestalteten Ungetüms auf dem Markt- platz eines Alpenkaffs. Vor ihrem Eingang stehen die männlichen Einwohner Schlange: Es hat sich schnell herumgesprochen, daß zwischen Sophies schönen Beinen Wünsche in Erfüllung gehen.
Da drängen auch die bigottesten Ehefrauen zum Seitensprung. Bald fährt ein Bäuerlein mit dem Rolls die Jauche aus, protzt der Wirt mit einer Echtgoldfassade, schwebt der Pfarrer handbreit und mehr über dem Boden . . . Der Hollywoodösterreicher Dornhelm hat über zehn Jahre an dem Stoff des Vorarlbergers Michael Köhlmeier herumgekaut, bevor er sich doch für diese Fassung entschied und sie im Herkunftsland realisierte.
Ob sich der sogenannte Heimvorteil als solcher erwies? Jein. Nicht alle Darsteller waren ihren Rollen gewachsen. Die betörende Maria Schrader hingegen spreizt ihre Möglichkeiten im delikaten Spagat zwischen Unschuld des Herzens und Sinnlichkeit des Körpers zur bezaubernden Ikone. Insgesamt kein Unding, dieser Unfisch. Keine Unmoral, seine Moral. Uneinsichten fallen einem wie Schuppen von den Augen. Aber alles zusammen halt doch ein österreichischer Kompromiß, dessen Herstellung oder fröhlichen Genusses man sich nicht groß zu berühmen, aber keineswegs schämen braucht.
Mit seinem neuen Film "Der Unfisch", den er als "phantastisches Märchen über Lust und Gier" bezeichnet, zieht Regisseur Robert Dornhelm zurzeit durch Österreich. Am kommenden Montag, 22. September, hält der Troß im Veldener Kino.
"Bereits vor zehn Jahren besuchte mich Autor Michael Köhlmeier in Amerika, erzählte mir die Geschichte eines armen Jugoslawen, der in Vorarlberg zu Unrecht im Gefängnis gelandet war", erzählt Dornhelm, "wir saßen da, beim Sonnenuntergang, hielten Martinis in den Händen, und die Story vom armen Jugoslawen schien mir in diesem Moment nicht recht stimmig. So fragte einer den anderen, welchen Film er denn im Augenblick am liebsten machen würde."
"Mir fiel auf Anhieb das russische Märchen vom ,Goldenen Fisch' ein, mit dessen Hilfe man sich Wünsche erfüllen konnte", erinnert sich der Regisseur. Köhlmeier erzählte die Geschichte von einer Prostituierten am Land, die verjagt wird. Als sie weg ist, kommen alle drauf, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben plötzlich sind. "Aus diesen beiden Erzählungen haben wir schließlich den ,Unfisch' zusammengedichtet. Es dauerte aber ewig, bis Produzent Norbert Blecha endlich die Finanzen - 37 Millionen Schilling - zusammengekratzt hatte." Der Film-Wal wurde in Bratislava gebaut: "Er ist acht Meter lang und vier Meter hoch, besonders im Inneren ist er sehr schön. Ich will ihn nach der Premierentournee durch die Kinos bei mir im Garten aufstellen."
Claus Philipp
Wien Ein Bergsteiger stürzt ab und sieht, gerade noch gesichert und gerettet, mitten im Gebirge einen Wal: Das ist der Anfang. Ein Pfarrer wird im Inneren dieses präparierten Unfisches hochmütig, beginnt abzuheben, schwebt einige Meter über dem Boden: Das ist fast schon das Ende eines österreichischen Heimatfilms, der zwischen drohenden Stürzen in die Lächerlichkeit und Ahnungen von schwerelosem Fabulieren erstaunlich sicher erzählt ist.
Zehn Jahre sollen der Autor Michael Köhlmeier und der Regisseur Robert Dornhelm gebraucht haben, um das Geld und vor allem die naive Gewitztheit aufzubringen, die für ein Volksmärchen über unmögliche Wünsche und menschliche Gier nötig waren. Man bekommt ja doch zuerst eine Gänsehaut, wenn man die Inhaltsangabe von Der Unfisch hört: Die Männer eines kleinen Dorfes schlafen mit einer geheimnisvollen Frau im Inneren der Attraktion der Weltmeere, um ihre Sehnsüchte auf groteske Weise verwirklicht zu sehen.
Da wird ein Polizist zum Sheriff, der Bürgermeister hat plötzlich einen Tennisplatz in steiler Hanglage, ein Dorfnarr ist schnell Geigenvirtuose. Und das ergäbe vermutlich ein rechtes Bauerntheater, lärmiger und aufgesetzter noch als die ganzen Kabarettistenfilmchen der letzten Zeit, würde Köhlmeiers doch sehr forciertes Fabulieren nicht durch ein Timing und eine Sorgfalt geformt, wie sie der heimische Unterhaltungsfilm weitgehend vermissen läßt. Zehn Jahre sind eine lange Vorbereitungszeit, und wie man die nützen kann, um gerade im sogenannten leichten Fach Peinlichkeiten zu vermeiden, sieht man hier.
Durchwegs pointiert und frei von papierener Angestrengtheit sind die Dialoge, und die Schauspieler müssen gar nicht erst outrieren, um das Unwahrscheinliche erträglich werden zu lassen. _George Kern etwa porträtiert einen sadistischen Besitzer von Dobermännern mit so viel Lust am Genre-Bösewicht, daß jede Pointe rund um diesen Sportwagen-Heini zündet wie in den besten Komödien der Wirtschaftswunderjahre. Andreas Lust und Eva Herzig sind als ewig mit Querelen befaßtes Liebespaar ebenso dezent wie etwa dcr geistliche Widerling Rudolf Wessely.
Daß zwischen den Nippes und den kleinen Glühlämpchen im Inneren des Wales Maria Schrader sehr schnell zum ewig entblößten Blickfang wird, dem man die Subversion gegen die ländlichen Pharisäer nicht immer anmerkt, fällt vor diesem Hintergrund weniger ins Gewicht.
Sicherlich ist Der Unfisch nicht unbedingt eine jener Produktionen, die man versierten Besuchern von Programmkinos ans Herz legt, sondern einer jener Mainstreamfilme, wie sie etwa der ORF in Kooperationen mit Franz Antel (Bockerer 2) gerne zustande brächte, aber auf entsetzlichste Weise immer wieder verfehlt. Hier ist er tatsächlich geglückt, der erträgliche Film fürs Samstagnachmittagprogramm: Sich leichthin und ein bißchen übermütig mitreißen lassen, ohne sich in Grund und Boden genieren zu müssen selbst das gibts hierzulande (alle zehn Jahre) nur einmal.
The
International Movie Data Base entry for Der Unfisch.
Back to the main German page.
Back to the main Riverdale page.